Wednesday 15.April 2009

Wenn Informatiker zu lange wach sind…

geposted in Alle Kategorien, Philosophie 2.0 um 12:54 am von admin

Wie alle Informatiker (ist doch so?), die zu lange wach sind, habe ich mich wie üblich auf den Seiten von heise und golem rumgetrieben, und bin dabei mal wieder über einen der zahlreichen Spieletest gestolpert link (golem). Da ich in der Regel an meinem PC eh kaum spiele, zumal ich im Moment dafür eh keine Zeit habe, habe ich ihn recht desintressiert überflogen bis mich in den zugehörigen Kommentarposts das Wörtchen Zensur hellhörig machte. Da ich recht sensibel auf derartige Posts reagiere, hab ich mir einmal durchgelesen worum es in dem Thread ging.

Diskutiert wurde die in dem Spiel vorgenommene Entschärfung der deutschen Version. Im Speziellen die Tatsache das es wohl nicht mehr möglich ist Menschen zu überfahren. Etwas überraschend, gab es hierin die offensichtliche Expertise eines Nutzers, dass man solche Inhalte nicht zensieren dürfte, da es sich doch um Kunst handle, worauf natürlich ein paar empörte Gegenmeinungen geäußert wurden. I.d.R. pflege ich ja, in wenigen Zeilen darauf zu antworten oder sowas mit einem Lächeln zu lesen und abzutun, aber ich hab mich dann tatsächlich, auch wenn es abwägig erscheint, damit auseinandergesetzt, ob sich in der Tatsache in einem Spiel Menschen überfahren zu können, Kunst versteckt. Ein delikates Detail, in diesem Fall ist auch noch die Tatsache, dass das Spiel sowieso nur an Erwachsene verkauft werden darf, der jugendgefährdende Diskussionspart hierbei also entfällt. Es geht also nur um die “Zensur” der “Kunst” bzw. um die Mündigkeit eines Erwachsenen.

Um es einmal kurz und prägnant zu machen. Ich denke so absurd es klingt, es handelt sich bei einer derartigen Funktion tatsächlich um eine Form der modernen Kunst. Natürlich kann man über den künstlerischen Anspruch von Software diskutieren, jedoch nicht über die Mündigkeit eines erwachsenen Bürgers. Es ist in diesem Spiel ja nicht grundsätzlich Ziel mit dem Auto Menschen zu überfahren, somit ist es einem mündigen Bürger (und Nutzer des Spiels) auch gestattet, dass Auto wie in der realen Welt zu steuern. Ihn hindert keiner daran, Verkehrsregeln einzuhalten und an Ampeln anzuhalten. Wenn er das Spiel jedoch auch einmal nutzen möchte, um sich ein wenig aus der realen Welt zu entfernen, und er dabei ein wenig rasen möchte, so sollte er gefälligst auch sehen, dass Raserei zu Unglücken führen kann, wie zum Beispiel das man Menschen überfährt. Jeder halbwegs intelligente Mensch, erkennt auf anhieb, dass es auch im Real Life “Platsch” machen würde. Aber den Menschen faszinieren seit jeher die moralischen Abgründe, gesellschaftliche Schranken etc. . Nicht umsonst ist Tod und Verderben so oft Thema in den Medien und auch in Krimis wird regelmäßig jemand überfahren. Medien, und somit auch Spiele sind hiermit also ein Ausdrucksmittel der kulturellen Gepflogenheiten und zeigt deren Abgründe auf. Das Überfahren von Menschen in Spielen stellt somit eine (gesunde?) Auseinandersetzung mit den natürlichen gesellschaftlichen Schranken dar. Es zwingt den Nutzer zu den Überlegungen “Was wäre wenn” und “Ist dies vertretbar?”.
Da solche Möglichkeiten in Spielen, wie an den Threads bei golem zu sehen, offensichtlich zu tiefen moralischen Diskussionen führen können, ist diesen Spielen durchaus eine gewisse schöpferische Tiefe zu entnehmen. Vielmehr besitzt sie hierdurch sogar einen aufklärenden Charakter und so gesellschaftlichen Mehrwert. In meinen Augen kann also auch durchaus der Begriff “Kunst” hierfür gerechtfertigt sein. Auch wenn es nicht dem von anderen Medien vorgeprägten Bild von Kunst entspricht, so handelt es sich hierbei um moderen Aktions- bzw. Mitmachkunst.

Und ganz wichtig:
Letztendlich ist Kunst immer nur das was du draus machst.

Man kann einen Picasso auch in Streifen schneiden und sich den Hintern damit putzen, wenn man ihn jedoch mit den richtigen Augen betrachtet, so wird aus ihm vielleicht eine neue Kunstrichtung. Der Begriff Kunst muss in meinen Augen auch auf neue Medien wie Computerspiele erweitert und angepasst werden. Es ist Zeit für eine Kunst 2.0 .